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Das Rote Kreuz ? Von Solferino bis zur Gegenwart (1)

Menschlichkeit und Zivilisation verlangen gebieterisch, dass man ein Werk, wie wir es hier angedeutet haben, in Angriff nimmt.

Diese Worte stammen von Henry Dunant, dem Schweizer Kaufmann, der 1859 auf seiner Reise nach Brescia mitten in die Schlacht bei Solferino geriet und ? geprägt von seinen Erlebnissen ? 1863 eine weltweite Bewegung ins Leben rief, die heute mit mehr als 180 nationalen Hilfsgesellschaften als eine der größten weltweit gilt.

Drei Jahre brauchte Henry Dunant, um seine schrecklichen Erlebnisse soweit zu verarbeiten, um sie für uns aufzuschreiben: Es ist ein Kampf Mann gegen Mann, ein entsetzlicher, schrecklicher Kampf. ? Es ist ein allgemeines Schlachten, ein Kampf wilder, wütender, blutrünstiger Tiere. Wer keine Waffe hat, packt den Gegner und zerreißt ihm die Gurgel mit den Zähnen.
Dies alles geschah am 24. Juni 1859 auf den Feldern und Hügeln um die oberitalienische Kleinstadt Solferino.

In den folgenden drei Tagen ist Henry Dunant mitten unter den Verwundeten, packt mit an und organisiert Hilfe ohne Rücksicht auf Rang oder Nationalität der Verletzten. Allein die Schwere der Verwundung ist maßgebend.
Verbunden, gepflegt, operiert, mit Nahrung versorgt wird an jedem nur denkbaren Ort. Neben den Spitälern werden Kirchen, Privathäuser und Scheunen genutzt, für Tausende bleibt nur Platz im Freien.

Und Henry Dunant als Helfender und Organisator immer mitten unter ihnen.
?Ach, Monsieur, wenn Sie doch meinem Vater schreiben wollten, er solle meine Mutter trösten.? Ich lasse mir die Adresse seiner Eltern geben, und kurz darauf haucht er sein Leben aus. In einer Fußnote seines Buches merkt Henry Dunant hierzu an: Die Eltern wohnten Rue d?Alger 3 in Lyon. Der junge Mann, der sich als Freiwilliger bei der Armee gemeldet hatte, war ihr einziger Sohn. Sie erhielten keine anderen Nachrichten über ihr Kind als den Brief, den ich ihnen schickte. Er war in den Listen wie viele andere als vermisst angegeben.

Ein weiteres Jahr später (1863) kommen in Genf Persönlichkeiten aus 17 europäischen Ländern zu einem Kongress zusammen, der still und ohne Aufsehen den Grundstein für eine weltweite Bewegung legt, die bis heute Bestand hat und sowohl als internationale wie auch nationale Hilfsorganisation aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken ist: Das Rote Kreuz. ?

mehr zur Geschichte des Roten Kreuzes

Hallo Nachbarn,

am 24. Juni 1859 also vor 150 Jahren war um Solferino, einer Stadt südlich des Gardasees, so richtig der Teufel los. Italiener und Franzosen auf der einen sowie die Österreicher auf der anderen Seite standen sich mit riesigen Truppenaufgeboten (mehr als 100.000 Soldaten!) gegenüber, um ihre territorialen Ansprüche auf dem Schlachtfeld auszutragen.
Es ging wie so oft in der damaligen Zeit darum, aus den vielen kleinen Staaten größere Einheiten zu schaffen, aber viel mehr noch um die Macht. Menschen spielten dabei keine Rolle. Soldaten wurden in die Schlacht geschickt mit dem Ziel, möglichst viele Gegner platt? zu machen. Und das gelang auch sehr nachhaltig auf beiden Seiten.
Die Schlacht am 24. Juni brachte über 6.000 Tote und mehrere zehntausend Verletzte!

Mitten in diese Kriegssituation geriet der Schweizer Kaufmann Henry Dunant aus Genf, der sich auf einer Geschäftsreise zu Kaiser Napoleon III. befand. Aber Geschäfte konnte er in und um Solferino nicht machen. Dafür veränderte die Situation, die er dort mit den zahllosen Toten und Verwundeten vorfand, sein Leben total. Henry Dunant packte an, organisierte in der Bevölkerung Hilfe für die Verletzten, ließ Gebäude selbst Kirchen zu Lazaretten herrichten und versuchte, irgendwie zu helfen, zu retten, zu pflegen und nicht in Verzweiflung zu kapitulieren.
Dieses Erlebte prägte ihn so stark, dass er nach Mitstreitern suchte, diese auch fand und mit ihnen wenige Jahre später (1863) in Genf das Internationale Komitee vom Roten Kreuz eine Welt umspannende Bewegung gründete.
Er investierte nicht nur seine ganze persönliche Kraft, sondern auch sein Vermögen. 1867 war Henry Dunant bankrott. Aber seine Idee und die große Bewegung des Roten Kreuzes überlebte. Nachdem ihn die Gesellschaft lange Jahre gemieden hatte, wurde er spät rehabilitiert und erhielt 1901 den Friedensnobelpreis.

Können Sie sich in der heutigen Zeit so etwas noch vorstellen? Es dürfte ziemlich schwer fallen. Dabei haben wir in etlichen Regionen der Welt noch immer und auch immer wieder neue Schlachtfelder. Lassen wir uns davon bewegen oder stumpfen wir einfach ab?
Letzteres ist fatal gefährlich. Denn auch wenn die Konflikte nicht direkt vor unserer Haustür ausgetragen werden, so hängen wir doch mitten drin. Wirtschaftliche Auswirkungen auf dem Energiesektor und der lange Arm des Terrors machen das nur allzu deutlich. Also: Raushalten ist nicht!

Im Übrigen haben wir mitten in unserer Gesellschaft neue Schlachtfelder, die in mancher Hinsicht ebenfalls schlimme Folgen produzieren.
Wie gehen wir mit unseren Mitmenschen um, die aus anderen Kulturkreisen zu uns kommen, weil sie dort verfolgt werden und ihr Leben bedroht ist? Gehen wir auf sie zu und sind bemüht, ihnen zu helfen, oder treten wir ihnen ablehnend gegenüber und grenzen sie aus?
Und wie steht es mit dem Kampf um die wirtschaftliche Existenz nicht nur in den Betrieben und Unternehmen, sondern mit ihren Auswirkungen bis mitten in die Familien? Wir sprechen heute von rund 25 Prozent in unserer Gesellschaft, die unterhalb der Armutsgrenze? leben.
Was ist mit den Kindern und Jugendlichen, die unter derartigen Bedingungen heranwachsen? Gehen wir auf sie zu oder beteiligen wir uns an deren Ausgrenzung? Nur zwei Beispiele, die durchaus zu erweitern sind. Menschen auszugrenzen heißt, sie zu verletzen, ihnen Schaden zuzufügen. Manche gehen daran zugrunde.

Menschlichkeit im Sinne des Roten Kreuzes interpretiere ich anders.